Objekt des Monats August 2025

Werksschild Kybarth

Schallplatten aus Ehrenfriedersdorf? Vor fast 100 Jahren waren sie und der Unternehmer August Kybarth in aller Munde - das ehemalige Fabrikgebäude auf der Annaberger Straße, zu dem unser Objekt des Monats gehört, erinnert noch immer an die geschäftigen Produktionszeiten.

August Kybarth wurde 1878 in Ostpreußen geboren. Ab 1906 war er Werkmeister in einer Schallplatten-Fabrik in Berlin-Weißensee, wo er wichtige Kontakte und Fähigkeiten erwarb. Bald galt er als "Schallplattenexperte", dessen Ruf auch ins Ausland drang. Dies führte dazu, dass er mit einigen anderen deutschen Unternehmern ab 1910 eine Schallplattenfabrik in der Nähe von Moskau aufbaute.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges machte seiner Arbeit in Russland jedoch ein Ende, sodass ihn der Weg wieder nach Deutschland führte: Zuerst nach Thalheim, dann schließlich nach Ehrenfriedersdorf, wo er sich 1931 nieder ließ. Die dort gepressten Schallplatten wurden unter den Marken INTON und RECORD vertrieben.

Neben den Platten wurden auch Werkstoffe produziert, die sogar ins Ausland exportiert wurden. Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage in den 1930er Jahren experimentierte August Kybarth auch mit verschiedenen Stoffen und entwickelte beispielsweise "geräuschlose Zahnräder", die weniger Gewicht, Reibung und Geräuschentwicklung als Zahnräder aus Metall aufwiesen.

Der Firmenname auf dem Werksschild galt ab dem 01. Januar 1944. Nach dem Tod von August Kybarth im Januar 1945 lief die Produktion in Ehrenfriedersdorf knapp einen Monat unter Leitung seines Sohnes Artur weiter. Auch in der Nachkriegszeit blieb die Fabrik erhalten, ab 1947 wurden Schallplatten für das Label AMIGA produziert. Im Jahre 1958 endete die Produktion, die zuletzt nicht mehr durch die Firma A. Kybarth & Söhne KG, sondern durch den VEB Lied der Zeit durchgeführt wurde.