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Die Ehrenfriedersdorfer Radpumpe

Zur Geschichte und historischen Bedeutung

Um der hinderlichen und gefährlichen Wassermassen unter Tage besser Herr zu werden, wurde im Jahre 1536 mit der Auffahrung des Tiefen Sauberger Stollns begonnen, über den letztendlich ein natürlicher Abfluss geschaffen werden sollte. Als achtes Lichtloch dieses Stollns diente der 1542 begonnene Alexander-Tagessacht, der auch als Heinzenschacht bezeichnet wurde. Dieser ist auf der Sohle des Tiefen Sauberger Stolns abgesetzt und führt auf dem reich vererzten Gangkreuz Alexander Spat (Kupfererz) und Rothirschner Stehender (Silbererz) weiter in die Tiefe.

Erst mit der Anbindung des Tiefen Sauberger Stollns und damit erfolgreicher Wasserlösung im Jahre 1550 konnten die Wässer in der Tiefe beherrscht und somit ein weiteres Vordringen in die Tiefen des Sauberges ermöglicht werden. Zu diesem Zweck errichtete man eine Wasserkunst, bestehend aus einer Radkammer mit Antriebsrad knapp über der Sohle des Tiefen Sauberger Stollns und der eigentlichen Wasserpumpe im darunter weiterführenden Schacht. 

Im Jahre 2000 entdeckte man bei Sicherungsarbeiten im Alexander-Tagesschacht einen verfüllten Hohlraum, der sich nach seiner Aufwältigung als die oben genannte Radkammer entpuppte. Weitere Aufwältigungsarbeiten im darunter weiterführenden Schacht brauchten Holz-, Metall und Lederfunde zu Tage: vermutlich Fragmente der im 16. Jahrhundert eingebauten Radpumpe. Eine dentrochronologische Altersbestimmung der Holzfunde ergab ein Baumfälljahr von 1563.

Diese Wasserkunst, auch als „Ehrenfriedersdorfer Radpumpe“ bezeichnet, war vermutlich um 1540 von hiesigen Kunstmeistern erfunden und im 1556 erschienen Lehrbuch "De re metallica" des sächsischen Universalgelehrten Georgius Agricola beschrieben und auch bildlich dargestellt worden.

Historiker bezeichnen die Erfindung der Radpumpe als "den wichtigsten Beitrag des erzgebirgischen Bergbaus zur Technikentwicklung im ausgehenden Mittelalter". Diese Feststellung bezieht sich im Wesentlichen auf die Anordnung der Pumpnsätze und die Erfindung des Krummzapfens zur Umwandlung der Drehbewegung des Rades in die Auf- und Abbewegung der Pumpenkolben. Dieses Prinzip einer Radpumpe zur Wasserhebung war im Bergbau der ganzen Welt noch bis in das 19. Jahrhundert hinein dominierend.

Wiederentdeckung und Rekonstruktion

Die im Jahre 2000 durch Mitarbeiter des Besucherbergwerkes wiederentdeckte Radkammer hatte einen Durchmesser von bis zu 4,5 Meter und eine Breite von bis zu 1,2 Meter. Im Laufe des Jahres 2001 erfolgte die weitere Aufwältigung des darunter weiterführenden Schachtes bis auf 15 m Tiefe.

Schon bei den ersten Teufarbeiten wurde ein Holzrohr freigelegt, welches außerhalb der östlichen Auflage der ursprünglichen Wasserradwelle lag und offenbar das Kolbenrohr des obersten Pumpensatzes gewesen war. Dieser Pumpensatz konnte vollständig geborgen werden, vom darunter liegenden Pumpensatz war nur noch das 2,0 m lange Saugrohr erhalten.

Im Jahre 2006 erfolgte der Beschluss zum Einbau eines nachgebauten Wasserrades durch den Ehrenfriedersdorfer Stadtrat und die Bereitstellung der finanziellen Mittel durch die Stadt und den Freistaat Sachsen. Im Jahre 2007 wurde dieses rekonstruierte Wasserrad mit den Originalmaßen in die historische Radkammer eingebaut und bietet Besuchern der Zinngrube bis heute eine voll funktionstüchtige Nachbildung der wichtigsten technischen Ehrenfriedersdorfer Erfindung für Sachsen und die restliche Welt.

Die Tragweite dieser Erfindung dieser Erfindung ist vermutlich wesentlich größer als bisher angenommen: Bei der Rekonstruktion der Anlage wurde anhand von vorhandenen Bühnenlöchern die Entdeckung gemacht, dass das Schachtgestänge nicht direkt am Krummzapfen befestigt war, sondern noch ein bewegliches Gestängestück zwischengeschaltet war, ein sogenannter Pleuel. Ohne diese bahnbrechende Erfindung von Kurbel und Pleuel gäbe es heute wahrscheinlich keine Dampfmaschine, keinen Kompressor und keinen Kolbenmotor.

Mit dem originalgetreuen Nachbau der "Ehrenfriedersdorfer Radpumpe" verfügt das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf über eine weitere Attraktion, mit der die Bedeutung des erzgebirgischen Montanwesens als Voraussetzung für die Industrialisierung Sachsens eindrucksvoll verdeutlicht wird.